Zammad
Zammad GmbH ·zammad.com· Stand: 2026-07-30
Unser Urteil
Ein Ticketsystem verschafft keinen Vorsprung, es verhindert Rückfall. Ohne eines gehen Vorgänge verloren und niemand kann Zusagen belegen. Mit einem ist ein Unternehmen noch nicht unterscheidbar, denn die Wettbewerber haben auch eines. Der Unterschied zu den anderen Werkzeugen dieser Klasse liegt nicht im Funktionsumfang, sondern in der Ausstiegskante: Quellcode unter AGPLv3, Daten in einer eigenen Datenbank, Betrieb im eigenen Rechenzentrum möglich. Wer damit arbeitet, kauft keine Abhängigkeit mit ein.
Für wen es taugt
Solopreneur
bedingt geeignet
Gehostet trägt der Starter-Tarif ab 7 EUR je Agent im Monat, er endet aber bei fünf Agenten und kennt weder Chat noch Wissensdatenbank. Der Selbstbetrieb lohnt für eine Person nicht, weil Aktualisierung, Sicherung und Wiederanlauf Arbeitszeit kosten, die nebenbei nicht anfällt.
KMU
geeignet
Der eigentliche Bereich dieses Werkzeugs. Bis 35 Agenten kostet Professional 16 EUR je Agent im Monat, und wer eigene Infrastruktur ohnehin betreibt, zahlt für die Software nichts. Beide Wege sind kalkulierbar, und der Wechsel zwischen ihnen ist in der Anbieterdokumentation beschrieben.
Konzern
bedingt geeignet
Unbegrenzt viele Agenten gibt es erst im Plus-Tarif zu 25 EUR. Für den Einkauf fehlen öffentliche Belege: keine benannte Liste der Unterauftragnehmer, kein eigenes Zertifikat des Anbieters auffindbar, und das Prüfprotokoll wird nach zwölf Monaten fest gelöscht, ohne dass sich diese Frist einstellen lässt.
Kaufen, wechseln oder bauen
Standardprodukt
Gehostete Helpdesk-Plattform der großen Anbieter
Zendesk und seinesgleichen liefern mehr Kanäle, mehr Auswertung und mehr fertige Anbindungen. Bezahlt wird das mit dem Platzpreis, mit Funktionen hinter höheren Tarifstufen und damit, dass Daten und Betrieb beim Anbieter liegen. Wer nach drei Jahren gehen will, führt eine Migration durch, keinen Umzug. Für Häuser, die keine Betriebsmannschaft haben und keine besonderen Anforderungen an die Datenhaltung, ist das trotzdem der schnellere Weg.
KI-nativ
KI-Agent, der Anfragen löst statt sie zu verteilen
Eine neuere Klasse von Anbietern rechnet nicht je Platz ab, sondern je gelöstem Fall, und verspricht, den Großteil der Anfragen ohne Mensch zu beantworten. Das verlagert die Kostenkurve vom Personal zum Verbrauch und macht Antwortqualität zum Vertragsgegenstand. Als alleiniges System trägt es nicht, weil jeder nicht gelöste Fall weiter ein Vorgangssystem braucht, in dem er landet. Realistisch ist die Kombination, nicht der Austausch.
Eigenbau
Anpassen statt neu bauen
Ein Ticketsystem von Grund auf zu bauen ist verlorene Zeit, dafür ist die Kategorie zu ausgereift. Bei Software unter AGPLv3 heißt Eigenbau etwas anderes: eigener Betrieb, eigene Erweiterungen, eigene Anbindung an die Fachsysteme, ohne dass jemand den Zugang abschalten kann. Der Preis ist Betriebsverantwortung, also Aktualisierung, Sicherung und Wiederanlauf, dazu die Lizenzpflichten der AGPLv3, sobald man den Dienst Dritten zugänglich macht.
Unser Rat
- Solopreneur: Gehostet starten, nicht selbst betreiben.
- KMU: Selbst betreiben, wenn eine Betriebsmannschaft existiert, sonst gehostet kaufen.
- Konzern: Selbst betreiben und die fehlenden Nachweise vor der Unterschrift schriftlich nachfordern.
Wer dahinter steht
Tragfähigkeit: Etabliert
Zwölf Jahre am Markt, eigene Rechtsperson mit Registereintrag, laufender Veröffentlichungstakt bis Juni 2026. Die Kapitalseite ist nicht belegt: Umsatz, Ergebnis und etwaige Investoren haben wir in dieser Prüfung nicht gefunden. Das Eigentum am Quellcode liegt bei einer vom Unternehmen unabhängigen Stiftung, was die Frage nach der Tragfähigkeit des Anbieters für den Bestand der Software entschärft, nicht aber für Betrieb und Support.
- Marktdauer: 2014 von Martin Edenhofer gegründet, Version 7.0 im Jahr 2026 · Quelle · Stand 2026-07-30
- Rechtsperson: Zammad GmbH, Marienstraße 18, 10117 Berlin, Amtsgericht Charlottenburg HRB 163946 B, Geschäftsführer Martin Edenhofer, USt-IdNr. DE298516802 · Quelle · Stand 2026-07-30
- Größe und Verbreitung: 31 Mitarbeitende, über 65.000 Nutzer, 1.500 zahlende Kunden (Anbieterangabe, Zahl der Kunden mit Stand Dezember 2022) · Quelle · Stand 2026-07-30
- Veröffentlichungstakt: 7.0 am 4. März 2026, 7.1 am 17. Juni 2026, Sicherheitsfassung 7.1.1 am 25. Juni 2026 · Quelle · Stand 2026-07-30
- Eigentum am Quellcode: AGPLv3, Quellcode im Eigentum der Zammad Foundation, laut Dokumentation unabhängig von der Zammad GmbH · Quelle · Stand 2026-07-30
- Öffentliche Entwicklung: rund 5.800 Sterne und etwa 19.600 Beiträge im Hauptzweig auf GitHub · Quelle · Stand 2026-07-30
- Finanzierung und Ergebnis: nicht belegbar, keine öffentliche Angabe gefunden · ohne Quellenangabe · Stand 2026-07-30
Ausstiegskosten: Gering
Der Quellcode steht unter AGPLv3, die Daten liegen in einer eigenen Datenbank, und die Anbieterdokumentation beschreibt den Umzug auf einen anderen Server als Sicherung und Rücksicherung. Für den Weg aus der gehosteten Fassung heraus setzt dieselbe Anleitung voraus, dass der Anbieter einen Dump liefert; wie man ihn anfordert, steht dort nicht. Die Kosten des Ausstiegs sind Betriebsarbeit, nicht Vertragsbruch. Man kann das Werkzeug weiterbenutzen, ohne den Anbieter zu bezahlen, und genau das ist hier der eigentliche Wert.
Regulatorik und Daten
| Auftragsverarbeitung | auf Anfrage, mit technischen und organisatorischen MaßnahmenDer Vertrag wird nicht zum Herunterladen angeboten, sondern per E-Mail an den Support angefordert. Anpassungen sind laut Anbieter möglich. Der Text ist damit vor Vertragsschluss nicht öffentlich prüfbar.Quelle · Stand 2026-07-30 |
|---|---|
| Speicherort | gehostet ausschließlich Rechenzentren in Deutschland, im Selbstbetrieb wählt man ihn selbstDer Anbieter nennt das Land, aber weder den Betreiber der Rechenzentren noch die Standorte. Im Selbstbetrieb stellt sich die Frage nicht, weil die Datenbank im eigenen Haus läuft.Quelle · Stand 2026-07-30 |
| Subunternehmer | unklarEine öffentliche Liste der Unterauftragnehmer haben wir nicht gefunden. Geprüft wurden Preisseite, Datenschutzerklärung, die Wissensdatenbank des Supports und die Verwaltungsdokumentation. Die Datenschutzerklärung nennt nur Dienste der eigenen Website, nämlich Matomo, Moosend und Vimeo, nicht die Verarbeiter des gehosteten Betriebs.Quelle · Stand 2026-07-30 |
| Drittlandübermittlung | im gehosteten Betrieb nach Anbieterangabe keine, bei KI je nach eigener WahlDas Ticketsystem selbst bleibt in Deutschland. Ein Drittlandbezug entsteht erst durch die eigene Entscheidung für ein Sprachmodell: Wer OpenAI oder Anthropic anbindet, schafft ihn selbst. Zammad AI ist laut Verwaltungsdokumentation in der EU betrieben, Ollama läuft auf eigener Hardware.Quelle · Stand 2026-07-30 |
| Training mit Kundendaten | für Zammad AI ausgeschlossen, für Fremdmodelle Sache des jeweiligen AnbietersDie Verwaltungsdokumentation sagt zu Zammad AI, dass Anfragen mit sensiblen Angaben nicht für Training verwendet werden. Bindet man ein eigenes Modell an, gilt der Vertrag des dortigen Anbieters, nicht diese Zusage.Quelle · Stand 2026-07-30 |
| Aufbewahrung und Löschung | Prüfprotokoll fest zwölf Monate, Löschung von Nutzern und Vorgängen über eine eigene FunktionEinträge im Prüfprotokoll entfernt das System nach zwölf Monaten, diese Frist ist laut Dokumentation nicht einstellbar. Für personenbezogene Daten gibt es eine Löschfunktion mit Aufträgen, die auch zeitgesteuert laufen kann. Löscht man einen Nutzer, verschwinden dessen Vorgänge mit, das lässt sich nicht trennen.Quelle · Stand 2026-07-30 |
| Zertifikate | ISO 27001 für die gehosteten Tarife Professional und PlusDie Wissensdatenbank formuliert, die Tarife seien ISO-27001-zertifiziert. Ob das Zertifikat der Zammad GmbH gehört oder dem Betreiber des Rechenzentrums, geht aus der Quelle nicht hervor. Ein Zertifikat des Infrastrukturanbieters ist nicht dasselbe wie eines des Anbieters. Für den Starter-Tarif und für den Selbstbetrieb gilt die Aussage ohnehin nicht.Quelle · Stand 2026-07-30 |
| EU-KI-Verordnung, Artikel 50 | vom Anbieter angesprochen, kein Nachweis öffentlichDer Anbieter beruft sich in der Pressemitteilung zu Version 7.0 auf eine Architektur mit menschlicher Letztentscheidung und auf Nachvollziehbarkeit. Das ist eine Selbstauskunft. Eine Aussage zu den Transparenzpflichten aus Artikel 50, die ab August 2026 greifen, haben wir nicht gefunden, ebenso wenig eine Einstufung der Funktionen.Quelle · Stand 2026-07-30 |
| Protokollierung | Prüfprotokoll im Produkt vorhanden, schreibgeschützt, mit eigener BerechtigungDas Protokoll erfasst Handlungen, die Verwaltungsrechte erfordern, also Konfigurationsänderungen, Änderungen an Konten und das Wechseln in fremde Sitzungen. Alltägliche Änderungen an Vorgängen stehen nicht dort, sondern in der Historie des jeweiligen Vorgangs. In welchen Tarifen die Funktion enthalten ist, nennt die Dokumentation nicht.Quelle · Stand 2026-07-30 |
Was es wirklich kostet
Einstieg
Zwei getrennte Wege. Gehostet kostet Starter 7 EUR je Agent und Monat bei jährlicher Zahlung (9 EUR monatlich, höchstens fünf Agenten), Professional 16 EUR (18 EUR monatlich, höchstens 35 Agenten), Plus 25 EUR (27 EUR monatlich, unbegrenzt). Im Selbstbetrieb fallen keine Lizenzkosten an, der Anbieter bestätigt ausdrücklich, dass jeder Zammad kostenlos auf eigenen Servern betreiben darf. Der Test läuft 30 Tage auf dem Professional-Tarif. Alle Preise ohne Umsatzsteuer.
Quelle · Stand2026-07-30
Was teuer wird
An drei Stellen. Erstens beim Support im Selbstbetrieb: Business kostet 2.999 EUR im Jahr für 15 Serviceanfragen, Enterprise 5.999 EUR für 45, Corporation 9.999 EUR für 95. Wer die Kontingente ausschöpft, zahlt nach, und die Kündigungsfrist beträgt mindestens 90 Kalendertage vor Ende des Vertragsjahres. Zweitens bei der KI: 0,03 EUR je Aufruf klingt klein, wird aber je Zusammenfassung, Vorschlag und Einordnung fällig und ist deshalb eine Funktion des Anfragevolumens, nicht der Mannschaftsgröße. Drittens beim Betrieb selbst: Die gesparte Lizenz taucht als Serverkosten, Aktualisierungen, Sicherungen und Bereitschaft wieder auf. Wer diese Arbeit nicht ohnehin leistet, spart nichts, sondern verschiebt die Rechnung.
Was es verdrängt
- Geteiltes Support-Postfach
- Anfragenverfolgung in Tabellen
- Zurufe über Chatgruppen
Schnittstellen
- REST-Schnittstelle
- Webhooks
- Sicherungs- und Rücksicherungsdump aus Datenbank und Dateien
- Sprachmodelle über Zammad AI, OpenAI, Anthropic, Azure AI, Mistral AI, Ollama und OpenAI-kompatible Anbieter
Bei uns: Nicht von uns genutzt
Nicht im eigenen Betrieb eingesetzt. Alle Angaben stammen aus Preisseite, Wissensdatenbank und Verwaltungsdokumentation des Anbieters, nicht aus eigener Erfahrung.
Passende Methoden
Alternativen
Belege
- 1.Tarifpreise, Agentengrenzen, Supportpakete, Preis je KI-Aufruf, Testzeitraum, Kündigungsfrist · Stand 2026-07-30
- 2.Speicherort ausschließlich in Deutschland, ISO-27001-Aussage für Professional und Plus, Verweis auf den Auftragsverarbeitungsvertrag · Stand 2026-07-30
- 3.Selbstbetrieb ohne Lizenzkosten, Supportvertrag als freiwillige Zusatzleistung · Stand 2026-07-30
- 4.Prüfprotokoll schreibgeschützt, Löschung nach zwölf Monaten, Frist nicht einstellbar · Stand 2026-07-30
- 5.Auswahl der Sprachmodelle, Zammad AI in der EU betrieben, keine Verwendung sensibler Anfragen für Training · Stand 2026-07-30
- 6.Umzug auf einen anderen Server über Sicherung und Rücksicherung, Hinweis auf den Weg aus der gehosteten Fassung · Stand 2026-07-30
- 7.Lizenz AGPLv3, Quellcode im Eigentum der Zammad Foundation, unabhängig von der Zammad GmbH · Stand 2026-07-30
- 8.Rechtsperson, Registergericht, Registernummer, Geschäftsführer · Stand 2026-07-30
- 9.Gründungsjahr, Mitarbeiterzahl, Nutzer- und Kundenzahl, Versionsverlauf · Stand 2026-07-30
- 10.Selbstauskunft zum EU-KI-Gesetz und zur Rolle des Menschen in der Entscheidung · Stand 2026-07-30
Zuletzt geprüft: 2026-07-30vonDr. Oliver Gausmann, Convios GmbH
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