Value-Metric-Pricing
Wann Sie diese Methode brauchen
Ihr Pricing ist ein Flat-Tarif oder eine Handvoll starrer Pakete. Kleine Kunden empfinden den Preis als zu hoch, große zahlen weit unter ihrem Nutzen und es gibt keinen eingebauten Grund, warum Bestandsumsatz wachsen sollte. Ohne mitwachsende Preismetrik fehlt dem Geschäftsmodell der Expansionsmotor, der Net Revenue Retention über 100 Prozent erst möglich macht.
Vorgehen
- 1Die Einheit identifizieren, die mit dem Kundennutzen tatsächlich mitwächst. Seats, verarbeitetes Volumen, Transaktionen, erzieltes Ergebnis.
- 2Prüfen, ob die Metrik drei Bedingungen erfüllt: Der Kunde versteht sie, sie ist messbar, und sie steigt, wenn der Kunde mehr Wert erhält.
- 3Den Preis an diese Metrik koppeln und die Spreizung zwischen kleinstem und größtem Kunden bewusst groß anlegen.
- 4Zahlungsbereitschaft je Segment erheben (etwa per Van-Westendorp-Befragung) und das Pricing regelmäßig datengetrieben überprüfen.
Typische Anwendung
Ein typischer Fall: Ein B2B-SaaS im Dokumenten-Workflow verkauft eine Unternehmenslizenz zum Festpreis. Ein Großkunde verarbeitet inzwischen ein Vielfaches des Volumens der kleinen Kunden, zahlt aber dasselbe. Das Unternehmen stellt auf eine Preismetrik je verarbeitetem Dokumentenvolumen mit Staffelung um: Kleine Kunden steigen günstiger ein, große zahlen entsprechend ihrem Nutzen. Mit dem Wachstum der Bestandskunden wächst nun der Umsatz automatisch mit, statt jedes Upgrade einzeln verhandeln zu müssen.
Grenzen und Gegenindikationen
Eine schlecht gewählte Metrik bestraft genau das Verhalten, das den Produktwert treibt. Wer pro Nutzer bezahlt, lädt keine Kollegen ein. Bei Lender- und Embedded-Finance-Modellen greift die Logik nicht; dort wird Monetarisierung als Spread oder Take-Rate gelesen. Eine Umstellung im Bestand ist heikel und braucht saubere Migrationspfade und Kommunikation.
Woran Sie Wirkung messen
Net Revenue Retention und der Expansion-Anteil am Wachstum; ergänzend die Preis-Spreizung zwischen kleinstem und größtem Kunden als Indikator, ob die Metrik wirklich mitskaliert.
Verwandte Methoden
Werkzeuge dafür
Quellen
- 1.Ward S. Bowman, Jr.: Tying Arrangements and the Leverage Problem, The Yale Law Journal 67(1), 1957, S. 19–36 (Abschnitt "Single Product Discrimination, A Counting Device", S. 23–24) (öffnet in neuem Tab) · 1957 · Wissenschaft und Fachliteratur · belegt den WirkmechanismusBowman zeigt, dass ein Anbieter, dessen Produkt intensiven Nutzern mehr wert ist, deren Nutzungsintensität aber vorab nicht kennt, eine mitgelieferte Verbrauchseinheit als Zähleinheit wählt und über diese abrechnet, und dass die Obergrenze des Preises durch die Ersparnis begrenzt ist, die das Produkt dem Nutzer bringt; das ist die Kopplung von Bezugseinheit an Kundennutzen.
- 2.What's going on with pricing this year? A deep dive into 2023 pricing data (öffnet in neuem Tab) · OpenView Venture Partners (Kyle Poyar) · 2023-11-30 · Investment-, Beratungs- und Analystenhäuser, Verbände und Behörden · liefert VergleichszahlenBeziffert anhand der SaaS-Benchmarks-Umfrage unter über 700 Unternehmen die Verbreitung nutzungsabhängiger Preismodelle: 18 Prozent überwiegend nutzungsbasiert, 23 Prozent mit nutzungsbasierten Stufen, 42 Prozent ohne jede Nutzungskomponente. Die Quelle misst Verbreitung; dass die Nutzung die Größe ist, über die der Kunde Wert zieht, belegt sie nicht.
- 3.Product Pricing for Startups: Value Metrics (öffnet in neuem Tab) · Long-Term Stock Exchange (Patrick Campbell) · o. J. · Praxisquelle · beschreibt das VerfahrenDefiniert die Wertmetrik als das, wofür und wonach ein Kunde zahlt, und zeigt am Beispiel einer Gebühr je Transaktion, wie der Umsatz mit der Nutzung des Kunden mitwächst.
- 4.Walter Y. Oi: A Disneyland Dilemma, Two-Part Tariffs for a Mickey Mouse Monopoly, Quarterly Journal of Economics 85(1), 1971, S. 77–96 (öffnet in neuem Tab) · 1971 · Wissenschaft und Fachliteratur · belegt den WirkmechanismusFormalisiert die Tarifstruktur aus Grundgebühr plus Preis je genutzter Einheit und zeigt, wie der Nutzungspreis Konsumentenrente abschöpft; nennt Bowman und Burstein ausdrücklich als die Vorarbeiten zum Zählmechanismus. Belegt die Preishöhe, nicht die Wahl der Einheit. Volltext gelesen.
- 5.M. L. Burstein: The Economics of Tie-In Sales, The Review of Economics and Statistics 42(1), 1960, S. 68–73 (öffnet in neuem Tab) · 1960 · Wissenschaft und Fachliteratur · belegt den WirkmechanismusÖkonomische Formalisierung des Kopplungsgeschäfts als Instrument, über die gebundene Einheit Konsumentenrente abzuschöpfen, die volkswirtschaftliche Fassung dessen, was Bowman drei Jahre zuvor am Fall entwickelt hat. Nur über die Zitation in Oi 1971 (Fn. 2 und Schlussabschnitt) verifiziert, Volltext nicht frei zugänglich geprüft.
Ursprung: Campbell