Tailscale
Tailscale US Inc. (Delaware) für Verträge ab 03.09.2024, davor Tailscale Inc. (Toronto) ·tailscale.com· Stand: 2026-07-30
Unser Urteil
Identitätsgebundener Zugang verkauft kein einziges Produkt mehr. Kein Kunde kauft, weil im Hintergrund ein sauberes Netz läuft. Ohne diese Schicht wächst aber ein Schuldenberg aus VPN-Zugängen, Sprungservern und geteilten Schlüsseln, den niemand mehr vollständig kennt. Der fällt spätestens dann auf die Füße, wenn ein größerer Kunde einen Sicherheitsfragebogen schickt oder ein Käufer die Zugriffsrechte sehen will. Das Werkzeug verhindert einen Rückfall, es erzeugt keinen Vorsprung.
Für wen es taugt
Solopreneur
geeignet
Der kostenlose Tarif deckt bis zu 6 Nutzer, unbegrenzt viele Nutzergeräte und 50 markierte Ressourcen ab. Für eine Person mit ein paar Servern fallen damit keine Kosten an.
KMU
geeignet
8 US-Dollar je Nutzer und Monat sind kalkulierbar, und Nutzergeräte zählen nicht mit. Die eigentliche Decke ist nicht der Preis, sondern die Grenze von 10 Zugriffsgruppen im Standardtarif.
Konzern
bedingt geeignet
Der Anbieter weist SOC 2 Type II aus, aber kein eigenes ISO 27001 und keine Wahl eines EU-Speicherorts. Wer eine Auftragsverarbeitung ausschließlich im EWR braucht oder ein ISO-Zertifikat des Anbieters selbst verlangt, bekommt das öffentlich nicht zugesagt.
Kaufen, wechseln oder bauen
Standardprodukt
Klassisches VPN mit Konzentrator und Sprungservern
Ein zentrales Gerät oder eine zentrale Instanz, durch die aller Verkehr läuft, dahinter Sprungserver für die heiklen Systeme. Das ist erprobt, prüfbar und in vielen Häusern schon bezahlt. Der Preis ist die Topologie: alles läuft über einen Punkt, der Engpass und Ausfallstelle zugleich ist, und die Rechte hängen am Netzsegment statt an der Person. Wer jemanden abschaltet, muss an mehreren Stellen aufräumen.
KI-nativ
Kein KI-nativer Ersatz, aber ein ernster Nachbar
In dieser Kategorie gibt es nichts KI-Natives, und das ist auch nicht zu erwarten, denn die Aufgabe ist Kryptografie und Regelwerk, nicht Sprachverstehen. Wer Alternativen sucht, findet sie nicht bei KI-Anbietern, sondern bei den identitätsbewussten Zugangsdiensten der großen Netzanbieter und bei den Zugangsservern aus der Entwicklerwelt. Diese Nachbarn setzen auf einen vermittelnden Server im Datenpfad statt auf direkte Verbindungen zwischen den Geräten, was mehr Kontrolle und mehr Protokoll bringt und dafür Latenz und eine zusätzliche Stelle kostet, die den Verkehr sehen kann.
Eigenbau
WireGuard von Hand oder Headscale selbst betreiben
Der Unterbau ist quelloffen, also lässt sich das nachbauen. Von Hand gepflegte WireGuard-Schlüssel funktionieren bei zehn Geräten und werden bei hundert zu einer Buchhaltung, die niemand mehr freiwillig macht. Der ernsthafte Eigenbau-Weg ist Headscale, eine quelloffene Nachbildung des Koordinationsservers, mit der die offiziellen Clients weiterlaufen. Damit bleibt die Kontrollebene im eigenen Haus, was bei harten Souveränitätsauflagen der einzige gangbare Weg sein kann. Das Projekt beschreibt seinen eigenen Anspruch aber ausdrücklich als auf Selbstbetreiber und kleine Organisationen gerichtet, und die Anbindung an ein Verzeichnis, die Bereitstellung von Konten und der Bereitschaftsdienst liegen dann bei einem selbst.
Unser Rat
- Solopreneur: Kostenloser Tarif nehmen und die Sprungserver abschaffen.
- KMU: Kaufen. Vorher die Server und Container zählen, nicht die Mitarbeiter.
- Konzern: Kaufen, aber Speicherort, Protokoll-Aufbewahrung und Zertifikate vor der Unterschrift schriftlich klären.
Wer dahinter steht
Tragfähigkeit: Finanziert
Getragen von einer großen Wagniskapitalrunde und einer nennenswerten Kundenzahl, aber ohne öffentliche Zahlen zu Umsatz oder Ergebnis. Das ist eine finanzierte Lage, keine belegte Selbsttragfähigkeit.
- Finanzierung: 160 Mio. US-Dollar Serie C, angeführt von Accel, bekanntgegeben am 08.04.2025 · Quelle · Stand 2026-07-30
- Kundenzahl nach eigener Angabe: 10.000 Kunden, genannt in der eigenen Finanzierungsmitteilung · Quelle · Stand 2026-07-30
- Zertifizierung: SOC 2 Type II; kein ISO 27001 und keine Vereinbarung nach US-Gesundheitsrecht, da nach eigener Aussage nur Metadaten gespeichert werden · Quelle · Stand 2026-07-30
- Wechsel des Vertragspartners: Konten ab dem 03.09.2024 kontrahieren mit Tailscale US Inc., Delaware; ältere Konten weiter mit Tailscale Inc., Toronto · Quelle · Stand 2026-07-30
- Pflege der Unterauftragnehmerliste: öffentliche Liste mit acht benannten Unterauftragnehmern, zuletzt geändert am 02.09.2025 · Quelle · Stand 2026-07-30
Ausstiegskosten: Mittel
Es gibt keine Inhalte zu exportieren, denn der Anbieter sieht den Datenverkehr nicht und hält nur Konfiguration und Verbindungsdaten. Der Client ist quelloffen, das Protokoll ist WireGuard, und mit Headscale existiert eine quelloffene Nachbildung des Koordinationsservers, die der Anbieter selbst als eigenständiges Gemeinschaftsprojekt benennt. Teuer ist nicht die Datenmitnahme, sondern zweierlei: die Zugriffsregeln müssen neu geschrieben werden, und Headscale zielt nach eigener Beschreibung auf Selbstbetreiber und kleine Organisationen, ist also kein gleichwertiger Ersatz für einen betreuten Betrieb.
Regulatorik und Daten
| Auftragsverarbeitung | vorhanden, wird per Verweis Teil des VertragsEin gesondert unterschriebenes Dokument ist für Selbstbucher nicht vorgesehen. Die Vereinbarung wird zur nächsten Zahlungsperiode, zur Verlängerung oder mit einem neuen Auftrag wirksam.Quelle · Stand 2026-07-30 |
|---|---|
| Speicherort | Kanada, Deutschland, USA und Vereinigtes Königreich, weitere Länder vorbehalten; keine Wahlmöglichkeit für den KundenDie Datenschutzerklärung nennt diese Länder ausdrücklich und behält sich weitere Rechtsräume vor. Eine Beschränkung auf den EWR wird nirgends zugesagt.Quelle · Stand 2026-07-30 |
| Subunternehmer | acht benannt: AWS, DigitalOcean, Hetzner, Linode, Vultr, NetActuate, Snowflake, Jira Service ManagementDie Liste nennt je Anbieter Zweck, verarbeitete Daten und Region. Änderungen werden angekündigt, der Widerspruch läuft über zehn Tage.Quelle · Stand 2026-07-30 |
| Drittlandübermittlung | Übermittlung in die USA und weitere Drittländer, gestützt auf StandardvertragsklauselnDie Vereinbarung erklärt die EU-Klauseln zum Bestandteil und wendet je nach Lage Modul zwei oder drei an. Für das Vereinigte Königreich gilt eine eigene Fassung.Quelle · Stand 2026-07-30 |
| Training mit Kundendaten | unklarWeder Datenschutzerklärung noch Sicherheitsseite sagen, ob Verbindungs- und Konfigurationsdaten für das Training von Modellen genutzt werden. Entschärft wird die Frage dadurch, dass der Anbieter den Inhalt des Datenverkehrs nach eigener und technisch plausibler Aussage nicht lesen kann. Offen bleibt sie für die Metadaten.ohne Quellenangabe · Stand 2026-07-30 |
| Aufbewahrung und Löschung | Rückgabe oder Löschung auf Verlangen innerhalb von 30 Tagen nach Vertragsende; laufende Fristen unklarDie Datenschutzerklärung nennt keine konkrete Frist, sondern nur den Grundsatz der Erforderlichkeit. Wie lange Verbindungsprotokolle im laufenden Betrieb vorgehalten werden, ist öffentlich nicht dokumentiert.Quelle · Stand 2026-07-30 |
| Zertifikate | SOC 2 Type II beim Anbieter; kein ISO 27001 und keine Vereinbarung nach US-GesundheitsrechtDer Anbieter begründet den Verzicht auf eine Gesundheitsdaten-Vereinbarung damit, dass er keine Kundeninhalte, sondern nur Metadaten speichert. Zertifikate der genutzten Rechenzentren sind nicht dasselbe wie ein eigenes Zertifikat.Quelle · Stand 2026-07-30 |
| EU-KI-Verordnung, Artikel 50 | nach Prüfung nicht einschlägig, ohne Aussage des AnbietersDas Werkzeug ist Netzinfrastruktur und enthält kein KI-System im Sinne der Verordnung, für das die Transparenzpflichten aus Artikel 50 greifen würden. Eine ausdrückliche Aussage des Anbieters dazu haben wir auf Sicherheits-, Datenschutz- und Vertragsseiten nicht gefunden.ohne Quellenangabe · Stand 2026-07-30 |
| Protokollierung | Konfigurations-Protokoll vorhanden; Netzfluss-Protokolle und Weiterleitung an eigene Systeme erst im Premium-Tarif; Aufbewahrungsfrist unklarDie Preisseite ordnet Netzfluss-Protokolle und Log-Streaming dem Premium-Tarif zu. Wie lange Protokolle vorgehalten werden und ob sich das je Tarif unterscheidet, war in der Wissensdatenbank nicht auffindbar.Quelle · Stand 2026-07-30 |
Was es wirklich kostet
Einstieg
Kostenlos für bis zu 6 Nutzer mit unbegrenzt vielen Nutzergeräten, 50 markierten Ressourcen und 3 Zugriffsgruppen. Der Standardtarif kostet 8 US-Dollar je Nutzer und Monat, der Premium-Tarif 18 US-Dollar.
Quelle · Stand2026-07-30
Was teuer wird
Nicht bei den Nutzern, denn Laptops und Telefone sind frei und unbegrenzt. Teuer wird die Infrastruktur: Server, Subnetz-Router und App-Connectoren gelten als markierte Ressourcen, davon sind in jedem Tarif 50 enthalten, jede weitere kostet 1 US-Dollar im Monat. Wer containerisiert arbeitet, ist schnell über dieser Grenze. Dazu kommt der Minutentopf für kurzlebige Ressourcen wie Build-Läufer und Kubernetes-Pods: 1.000 Minuten im Monat im Standardtarif, 10.000 im Premium-Tarif, darüber hinaus nur nach Rücksprache mit dem Vertrieb. Die zweite Kostenfalle ist der Sprung auf Premium, den man nicht wegen des Zugangs macht, sondern wegen 300 statt 10 Zugriffsgruppen und wegen der Protokolle.
Was es verdrängt
- VPN-Konzentrator als zentraler Durchgang
- Sprungserver vor heiklen Systemen
- Geteilte SSH-Schlüssel und Zugangsdaten
- Freigabelisten für feste IP-Adressen
Schnittstellen
- Anbindung an ein Identitätsverzeichnis mit automatischer Kontenpflege
- Zugriffsregeln als versionierbare Richtliniendatei
- Verwaltungsschnittstelle und Kommandozeile
- Weiterleitung der Protokolle an eigene Auswertungssysteme (Premium)
- Ausrollen über Geräteverwaltung
Bei uns: Nicht von uns genutzt
Bei Convios nicht im Einsatz. Die Prüfung stützt sich ausschließlich auf öffentlich abrufbare Anbieterseiten, nicht auf eigenen Betrieb.
Passende Methoden
Belege
- 1.Tarife, Preise je Nutzer, markierte Ressourcen, Zugriffsgruppen und Minutentopf · Stand 2026-07-30
- 2.SOC 2 Type II, kein Zugriff auf Inhalte des Datenverkehrs, Rolle des Koordinationsservers · Stand 2026-07-30
- 3.Wechsel des Vertragspartners zum 03.09.2024 nach Schedule A, Gerichtsstand New York · Stand 2026-07-30
- 4.Auftragsverarbeitung, Standardvertragsklauseln, Meldefrist 72 Stunden, Löschung binnen 30 Tagen · Stand 2026-07-30
- 5.Acht benannte Unterauftragnehmer mit Zweck und Region, Stand 02.09.2025 · Stand 2026-07-30
- 6.Verarbeitung in Kanada, Deutschland, USA und Vereinigtem Königreich, keine Zusage einer EWR-Beschränkung · Stand 2026-07-30
- 7.Client quelloffen, Koordinationsserver proprietär, Headscale als eigenständiges Gemeinschaftsprojekt · Stand 2026-07-30
- 8.Serie C über 160 Mio. US-Dollar unter Führung von Accel, 10.000 Kunden nach eigener Angabe · Stand 2026-07-30
Zuletzt geprüft: 2026-07-30vonDr. Oliver Gausmann, Convios GmbH
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